Freitag, 20. Mai 2022

Ryusuke Hamaguchi: Happy Hour [2015]

 
In unserem Ryusuke-Hamaguchi-Special geht es mit seinem Mammut-Werk "Happy Hour" weiter, dessen Titel bei seiner fünfstündigen Laufzeit nur ironisch gemeint sein kann - er ist damit der längste japanische Film der je gedreht wurde.

Im Film folgen wir Schritt um Schritt der Freundschaft von Sakurako, Fumi, Jun und Fumi. Als Jun ankündigt sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, beginnen die Freundinnen über ihr eigenes Leben und ihre Beziehungen zu reflektieren.

Das Unverständnis der eigenen Gefühle und Wünsche, die Unfähigkeit den Anderen komplett begreifen zu können - oder eben kurz gesagt die menschliche Seele. Das ist sicherlich das große Thema von Ryusuke Hamaguchi. Bereits mit "Passion" machte er hierzu die ersten Gehversuche (bzw. geht er selbst hier schon aufs Ganze. Man höre unsere Episode hierzu).
 
Dagegen nimmt sich Happy Hour die Zeit uns ganz leise und subtil an unsere Figuren herangeführt, sodass am Ende wirklich der Eindruck entsteht, wir hätten unsere Protagonistinnen einen ganzen Lebensabschnitt lang begleitet. TV-Serien haben vielleicht ein ähnliches Potential, aber hier im Film hat man durch die langsame Erzählweise das Gefühl wie in Echtzeit mit dabei zu sein.
 
In einer Szene wird das besonders spürbar, wenn wir 30 Minuten einem Kurs zusammen mit unseren Freundinnen bewohnen und im Anschluss beim Diner über diese neuartige Erfahrung quasi mitsprechen können.

Happy Hour ist jetzt in der Arte-Mediathek noch bis 15/07/2022 kostenlos verfügbar. Euch erwartet dann zu den 5 Stunden Spielzeit hier noch ein dreistündiger Podcast von Michael und mir on top ;).

PS: Am Anfang des Podcasts gibt es von uns noch ein paar Filmempfehlungen. Über diese Filme sprechen wir kurz und knapp: 
 
- The Souvenir 1 + 2 (Joanna Hogg)
- The Mole Song: Final (Takashi Miike)
- Deerskin aka Monsieur Killerstyle (Quentin Dupieux)
- Funky Forest (Hajime Ishimine, Shunichiro Miki, Katsuhito Ishii)
- The Beta Test (Jim Cummings)
- Blowback: Love and Death (Atsushi Muroga)


Mittwoch, 27. April 2022

Nippon Connection 2021: Kamata Prelude [2020]

Die Nippon Connection 2022 findet in Kürze endlich wieder vor Ort in Frankfurt statt. Yay! (mit nachträglicher VOD Auswahl). Da wirds Zeit, dass wir mit "Kamata Prelude" unseren letzten Nachtrag zur NC 2021 veröffentlichen.

Vier Regisseur/innen (darunter unser geliebter Hirobumi Watanabe) haben sich für diesen Episodenfilm vereint, um kritisch auf die eigene Branche zu blicken. Das Thema: Frauen im Film-Business und der immer noch sehr ausgeprägte Sexismus, der besonders in Japan zu spüren ist. Schonmal vorweg: bei einer Episode musste ich direkt an die Casting-Szene aus Miikes "Audition" denken, welcher damals ähnliche Themen im Film verhandelte (wenn auch unbewusst).

Ich hab ja einen gewissen Hang zu Filmen mit bedrückender und garstiger Atmosphäre. Keine Angst. Kamata Prelude ist hier mehr tragisch-komisch als einfach nur unangenehm, wie z.B. "Company Retreat", der ebenfalls auf der NC 21 lief.

Viel Spaß beim Zuhören und allen Japan-Filmfans und neugierigen empfehle ich am 24.05. - 29.05. nach Frankfurt auf die Nippon Connection zu fahren (da gibt's neben exklusiven Festival-Filmen z.B. auch gefrorenes Kirin-Bier-Slushie) 

Hier geht's zur Website: www.nipponconnection.com/de/start/

 

Freitag, 15. April 2022

Nippon Connection 2021: Me And The Cult Leader [2020]

 
Ein kleiner Nachtrag unserer Besprechungen der Nippon Connection 2021. Michael und ich haben uns eine der eher schwermütigen Dokus vom letzten Jahr vorgenommen. 
 
In "Me and the Cult Leader" folgen wir Atsushi Sakahara, einem Opfer des Tokioter Sarin-Gas-Anschlags, dabei wie er ein Mitglied der Sekte Aleph (ehemalig Aum Shinrikyo) nach seiner Überzeugung befragt und dabei ganz tief bohrt. Er möchte verstehen wie die Gedanken eines Sektenmitglieds funktionieren und schafft es mit viel Geduld und einer behutsamen Annährung das verquere Weltbild seines Interview-Partners aufzubrechen...zumindest teilweise. 
 
Die Doku ist von Sakahara selbst produziert worden daher sein ganz persönliches Projekt an dem er hart gearbeitet hat - auch um mit seiner Vergangenheit zumindest ein Stück weit abschließen zu können.
 
 

Mittwoch, 30. März 2022

Ryusuke Hamaguchi: Passion [2008] & Touching The Skin Of Eeriness [2013]


Michael und ich machen weiter mit der bisher recht überschaubaren Filmographie von Ryusuke Hamaguchi. Bisher waren wir stark angetan von seinem Meisterwerk "Drive My Car" und auch "Wheel of Fortune and Fantasy", welche wir bereits in einer früheren Episode besprochen hatten.

Wo auch immer der Name Hamaguchi drauf steht muss scheinbar Gold zu finden sein, zumindest immer dann wenn er von der Unmöglichkeit erzählt zum Kern der menschlichen Seele vorzudringen. Menschen wollen sich ansehen, blicken dann aber doch aneinander vorbei. Jeder Moment in dem sich die Blicke dann aber doch mal kurz treffen ist jede Mühe wert.

Auch als wir diese Woche über sein Erstlingswerk "Passion" gesprochen haben war uns klar, dass der Mann bereits von Anfang an ganz großes Kino auf die Leinwand zaubern kann und auch hier sein Drehbuch beinahe so feinfühlig schrieb wie zuletzt in Drive My Car. 

Mysteriös und fragmentarisch geht es dagegen weiter mit dem einstündigen "Touching The Skin Of Eeriness", der erkennen lässt, dass Hamaguchi ein ehemaliger Schüler unseres geliebten Kyoshi Kurosawa war.

Klar ist auf jeden Fall eins: wir sind Team HamaGuchi-Gang (Copyright by Lucas Barwenczik ;))!

Viel Spaß beim Zuhören und bleibt gespannt darauf wenn wir (sofern sie aufzutreiben sind) seine restlichen Filme besprechen. Sicher ist schon mal "Asako I&II" und sein fünfstündiger "Happy Hour" welchen ich dann nach der Besprechung zum dritten Mal gesehen haben werde. Ich würde sagen das waren dann gut investierte 15 Stunden.

 

Freitag, 25. März 2022

Life Finds A Way [2018]

"I wanna start over from age 12" so klingt eine der ersten Zeilen der Band Triple Fire, welche die Overtüre von "Life Finds A Way" anstimmen und damit schon mal den Ton setzen zu Hirobumi Watanabes Film über (zuerst fehlende) Selbstzweifel und dem ewigen Scheitern als Künstler.

Der gute Hirobumi spielt sich wie so oft selbst oder zumindest eine Facette seiner vielleicht echten Persönlichkeit. Wie immer trägt er uns durch den Film mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein Film über das endlose "Prokrastinieren", des "lieber Dragon Quest spielen statt Drehbuch schreibens", des Hasses auf jeden der auch nur versucht Filme zu kritisieren, der Schuldzuweisung auf die eigene Herkunft ("wäre ich nur in Frankreich und nicht in Japan geboren, wäre ich ein anerkannter Filmemacher..."). Am Ende schafft man es dann aber doch irgendwie. Ein Film zum Lachen und Seufzen. Willkommen in der Welt von Hirobumi Watanabe.

PS: Dass Michael und ich von Herrn Watanabe angetan sind erkennt man wohl daran, dass wir in fast jedem Podcast einmal kurz "Poolside Man" erwähnen müssen. Aufdass man ihn irgendwann, irgendwo (wieder) sehen kann.

Donnerstag, 17. März 2022

Fatal Frame (Gekijōban Zero)[2014]

Q: Fatal Frame? Klingt nach schlechter Video-Spielverfilmung.

A: Ja schon, aber der ist von Mari Asato.

Q: Und weiter?

A: Da sehen halt Geister aus wie bei Kiyoshi Kurosawa.

Q: Ist das was Gutes?

A: Kommt drauf an wie du drauf bist, aber ich würde schon sagen.

Q: Und was gibts sonst so?

A: Grobkörniges Filmmaterial, ein christliches Internat in Japan, Gothic-Horror (+Wasser-Horror), "Baby The Stars Shine Bright", hinkende Gärtner, Grenzwertiges, Teal & Orange Effekt der keiner ist, 2000er Look und obskure Kameras die Geister auf fatale Weise einrahmen.

Q: Hä? Hat das irgendwas mit Projekt Zero zu tun und klingt das hier alles wie ein Werbeclip mit Frank Zander?

A: Ja genau! Der Michael und der Daniel sprechen im Podcast all das!

Q: Epochal!?

Donnerstag, 27. Januar 2022

Japanuary 2022: Kontora [2019]

Wüssten Michael und ich es nicht besser, wären wir wohl nie darauf gekommen, dass uns Anshul CHAUHAN mit "Kontora" erst seinen zweiten Langfilm beschert. Chauhan weiß wie man mit einem kleinen Budget ganz großes Kino zaubern kann - ob das vielleicht daran liegt weil er von Hauptberuf eigentlich CG-Animator ist?

Die Handlung dreht sich um die Teenagerin Sora, die nach dem Tod ihres Großvaters auf dessen Kriegstagebuch stößt. Als sie von einem "Metall-Arm" liest, den ihr Opa irgendwo im Wald verbuddelt haben soll, setzt sie alles daran das mysteriöse Artefakt zu finden. Vielleicht kann ihr ja ein seltsamer, rückwärtsgehender Mann dabei helfen, der wie eine Art Kaspar Hauser ins Dorf stolpert. Es wird mysteriös und intensiv.